Gute Nacht Geschichten
In jeder Notaufnahme gibt es die nächtlichen Klassiker. Hier ist meine persönliche Top Five Liste:
Platz 5: die Pille danach, nach dem Motto: "Wir hatten gerade eben Sex und beim Interruptus war er zu langsam....". Hm, die Pille danach kann man ja bis zu 72 Stunden DANACH einnehmen. Theoretisch hätts auch noch bis zum morgendlichen Öffnen der Frauenarztpraxis Zeit gehabt. Aber nee, so wird erst die diensthabende Gynäkologin und dann noch das Notapothekenteam geweckt und rausgeklingelt.
PLatz 4: die Alkoholintoxikation, die von in sich reingrinsenden Polizisten an unseren Tresen geführt wird. Fast alle, die mit unserem Exekutivorgan reinkommen, wünschen nicht wirklich eine Behandlung und machen sich in unbeobachteten Augenblicken klammheimlich vom Acker. Meistens lassen sie sich zwei Strassen weiter aber wieder einfangen und stehen dann wieder bei uns am Tresen. Manchmal kommt man sich vor wie bei Hase und Igel...
Platz 3: die Dauererektion, auf schlau auch Priapismus genannt, welche sich nach einem kurzen Blick unseres Urologen auf das groß angekündigte Geschehen sofort gibt. Hey, unser Urologe ist ein Wunderheiler, der braucht nicht mal seine Hände, der heilt mit Blicken...
Platz 2: plötzliche Kopfschmerzen, bei einem 21jährigen Herrn, der nachts um halb drei vor unserer Tür steht. Auf die Frage, ob er schon eine Schmerztablette gegen die Kopfschmerzen eingenommen hat, kommt ein empörtes: "Wegen den bißchen Schmerzen nehm ich doch keine Tabletten" *!?!* Was bitte will er dann in der NOT-Aufnahme??? Sich stationär einweisen lassen?
Platz 1: die Zecke um halb vier. Patient konnte nicht schlafen und hat an sich rumuntersucht und einen kleinen schwarzen Fleck gefunden. Hilfe, eine Zecke, ab in die Notaufnahme. Die Zecke entpuppt sich bei näherer Untersuchung entweder als:
- a) winziges Grind oder
- b) neu gewachsener Leberfleck oder auch
- c) eingetrockneter Schlammspritzer
Logisch, dass sich jeder Chirurg freut, wenn er wegen so was aus seinem Bereitschaftsschlaf geweckt wird. Viele Patienten wundern sich dann, warum er morgens um halb vier so miesepetrig daher kommt, sie (die Patienten) haben schließlich auch keine schlechte Laune und schließlich ist der Arzt ja für solche Fälle da.